Wann brauchen Pferde Kraftfutter?

 

Auf die Frage "Was ist Arbeit", erhält man meist die Standardantwort: Na, Reiten und Fahren.

Das würde bedeuten, dass Pferde, die nicht geritten oder gefahren werden grundsätzlich kein Kraftfutter benötigen, da sie ja nicht gearbeitet werden. Dass das nicht ganz hinhaut, weiß wohl jeder der sich mit Pferden beschäftigt.

Gleichzeitig suggeriert diese Annahme, dass alle Pferde, die vom Menschen genutzt werden automatisch auch Kraftfutter benötigen. Auch das stimmt so nicht ganz.

 

Wenn Menschen Arbeiten gehen, sieht das sehr verschieden aus. Einige müssen körperliche Leistungen vollbringen, andere geistige. Die Belastung ist sehr unterschiedlich, aber Arbeit ist es immer.

Ein Bauarbeiter muss eine große Muskelleistung erbringen. Ein Kraftfahrer wird mit Sicherheit mehr *leisten* als ein Bürokaufmann. Folglich haben sie auch einen unterschiedlichen Energiebedarf, was ihre Nahrung betrifft. Der Bauarbeiter benötigt eine energie- und proteinreich Nahrung. Der Kraftfahrer hingegen benötigt weniger Energie als der Bauarbeiter, da er ja die meiste Zeit seines Arbeitstages auf dem Hintern sitzt (und aus dem Fenster schaut). Aber die Arbeiten außerhalb des Fahrzeuges verlangen dennoch Muskelkraft. Also benötigt er ein gewisses Maß an Proteinen. Der Bürokaufmann hingegen benötigt am wenigsten Proteine, da er kaum Muskelmasse bilden, bzw. erhalten muss. Sein Energiebedarf könnte aber etwas höher sein als der des Brummifahrers.

Dazu muss man nun die Individualität der Menschen betrachten und berücksichtigen.

 

Warum also bekommen in vielen, fast den meisten, Reitställen alle Pferde dieselbe Fütterung, auch wenn sie sehr unterschiedlich belastet werden?

Auch auf diese Frage bekommt man immer dieselben Antworten:

  Weil wir das immer so machen!

  Weil die andern Pferde sonst futterneidisch sind!

  Weil das so einfacher ist!

   Weil immer andere Füttern!

Mit diesen Aussagen können und wollen wir nicht zufrieden sein, denn es gibt immer Wege zur Verbesserung.

 

Was ist also Arbeit?

Reiten und Fahren alleine begründet nicht unbedingt Leistung, sondern die Belastung mit der das jeweilige Pferd dabei fertig werden muss definiert das Wort Arbeit.

Für die Rationsgestaltung beurteilt man 4 Leistungsstufen:

   Erhalt

   Leicht Arbeit

   Mittelschwere Arbeit

   Schwere Arbeit

 

Im Erhalt befindet sich ein erwachsenen, ausgereiftes Pferd das wirklich nichts tut, außer zu leben und dabei seine optimale Figur und Grundkondition erhalten. Um das zu können benötigt es ein Gewisses Maß an Proteinen, Energie und Mikronährstoffen die in einer bestimmten Menge und dem passenden Verhältnis zueinander im Futter enthalten sein muss.

Bei Leichter Arbeit steigt der Bedarf an verdaulichem Protein um bis zu 44 %, der an verdaulicher Energie um bis zu 46 %.

Bei Mittelschwer Arbeit steigt der Bedarf an verdaulichem Protein um bis zu 64 %, der an verdaulicher Energie um bis zu 56 %.

Bei Schwer Arbeit steigt der Bedarf an verdaulichem Protein und verdaulicher Energie um bis zu 130 %.

 

Mit steigender Belastung steigt der Bedarf an totaler Futtermenge unter Umständen auf bis zu 290 % des Erhaltungsbedarfs.

Der Mikronährstoffbedarf verändern sich dabei sehr unterschiedlich. Für einige Bereiche steigt der Bedarf, für andere sinkt er.

Das Wichtigste ist jedoch, dass sich kein Wert linear verändert! Einfach mehr Füttern kann genauso schädlich sein, wie die Ration unverändert zu lassen.

 
Wann leistet ein Pferd Arbeit?
Arbeit ist körperliche und / oder geistige Beanspruchung.
Körperliche Beanspruchung ist alles was mit Kraftaufwand und Muskelbildung zu tun hat. Das gilt auch für Zucht und Wachstum!
 

 

 
Alle hier gezeigten Pferde erbringen körperliche Leistung
 

Auch geistige Belastung erfordert ein geringes Maß an mehr Energie. Die kann aber, ohne Forderung von weiterer körperlicher Belastung, bereits mit der angemessenen Gabe an Leckerlis oder Brotstücken gedeckt werden. Dazu sollte unbedingt bedacht werden das der Energiegehalt von 1 kg Leckerlis oft etwas mehr als dem von 1 kg Hafer entspricht. Dabei enthält es allerdings weniger Proteine und kaum Nährstoffe, dafür trumpfen die Leckerlis mit den, für Bonbons üblichen, Geschmacksabwechselungen auf.

 

 
Doch ab wann ist nun Kraftfutter fällig?
Dazu erstellte die GfE 1994 eine Tabelle, mit deren Hilfe der gesteigerte Energiebedarf berechnet werden kann.
 

 
So kann man, wenn man nun genügend Daten und Kenntnisse über die individuellen Bedürfnisse des betreffenden Pferdes hat, den ungefähren Energiebedarf prüfen.
Ab welcher Leistung nun aber tatsächlich Kraftfutter benötigt wird, hängt von mehr ab, als der erbrachten Leistung in einer begrenzten Zeit der Nutzung durch den Menschen.