Filou
 
Ein Westfälischer Halbblut Fuchs von 165 cm Stockmaß und freundlichem Charakter wie Filou ist eigentlich ein ganz unauffälliger Kerl. Er ist seit seiner Ausbildung „in festen Händen“. Bis Ende 2001 lebte er in einem typischen Pensionsstall. Das hieß für ihn Leben in einer vollvergitterten Box, oft den ganzen Tag lang ohne regelmäßigen Auslauf und mit einer Stunde Reiten am Tag.
Die Fütterung für alle Pferde, egal wie alt, wie groß und wie viel gearbeitet, betrug zweimal täglich einen Arm
voll Heu und zwei Scheffel Hafer. Diese Fütterung und Haltung ist für jedes Pferd absolut unpassend. Mehr
Auslauf auf Paddock oder Weide, mehr Raufutter und weniger Kraftfutter wären angemessen. Durch die
falsche Fütterung und Haltung zeigten sich schnell unerwünschte Begleiterscheinungen.
Im Gelände war Filou kaum zu handhaben, er war schreckhaft und klebte sehr an seinen Artgenossen. Alleine
Auszureiten war riskant. Mit einer einfachen Trense war er schwer zu regulieren. In der Reithalle hingegen ging ohne Sporen gar nichts, weil Filou auf die Reizarmut und immer das selbe Einerlei mit Triebigkeit reagierte und kaum vorwärts ging. Dazu war Filou ausgesprochen mager, also bekam er immer mehr und ständig anderes Kraftfutter. Niemand kam auf die Idee, sein Verhalten und seine Figur lägen an der Haltung und unpassender Fütterung, alle schoben es auf seinen hohen Vollblut-Anteil: So wären Blüter eben. Leider ist so das Leben vieler so genannter Sport-Pferde.
 

So sah Filou aus, als er in "Rente" ging.

 
Als seine Besitzer sich entschlossen Filou zu Freunden in den Teilruhestand zu geben, veränderte sich sein
Leben gewaltig. Er zog in einen Offenlaufstall mit Paddock und Herdengenossen, bekam ganztägigen Weidegang, gelegentliche leichte Arbeit im Gelände und ganz selten mal Bahnarbeit. Die ersten Folgen des Haltungswechsels waren täglich neue Schrammen und kleinere Verletzungen, da Filou überall aneckte. Er hatte einfach kein Körpergefühl. Zum Glück hatte er ein gutes Sozialverhalten, so das es nicht zu Verständigungsproblemen innerhalb der Herde kam.
Schon nach kurzer Zeit schlugen die neue Freiheit und eine artgerechte Fütterung an. Das Leben mit seinen
Kumpels, Heu und Stroh in rauen Mengen zur freien Verfügung, bemessenes, altergerechtes Kraftfutter und ein
ausgewogenes Mineralfutter machten Filou zu einem richtig coolen Typen. Er geht sogar ohne seine Freunde
ins Gelände, ohne verrückt zu spielen. Auto, Trecker, Regenschirm, streunende Hunde, rasende Rinder –
alles kein Problem mehr.
 

Filou nach fünf Monaten

 
Im gleichen Maß wie seine Schreckhaftigkeit abnahm, nahm sein Gewicht zu. Er kam mit ca. 600 kg Eigen-
gewicht an, heute bringt er 730 kg auf die Waage. Besucher, die ihn von früher kennen, erkennen ihn kaum
wieder. Sporen sind heute nicht mehr nötig, und der einzige Grund, eine Gerte zu benutzen, ist der, damit
während des Sommers die Bremsen zu erschlagen. Aus dem nervigen, schreckhaften Hungerhaken ist ein
aufmerksamer und fleißiger Freizeitkamerad geworden.
 

Filou heute ...

... und dieses schöne Leben hätte er mit ein bisschen mehr Nachdenken über die Bedürfnisse des eigenen Pferdes auch schon viel früher haben können.