Grundlagen der Fütterung
 
Eine effektive Fütterung ist mit einer „artgerechten“ Haltung verbunden.
Das heißt nicht, dass Pferde in völliger Freiheit oder reiner Weidehaltung leben müssen.
Das Pferd ist ein „Draußen – Tier“ und ein sehr soziales Herdentier, das ohne Kontakt zu Artgenossen seelisch verkrüppelt. Die pferdefreundlichste Methode, Pferden beides zu bieten, ist mit Sicherheit gemeinsamer Weidegang, vor allem weil es da einem weiteren Grundbedürfnis nachkommen kann: der Nahrungssuche.
Das Tageslicht benötigt es nicht nur, um „ein gutes Gefühl“ zu haben, sondern zum gesunden Leben. Denn im Vergleich zum Menschen ist sein Körper darauf programmiert Vitamin D durch Sonnenlicht zu bilden. Das Fehlen von Sonnenlicht führt auch bei Pferden zu Rachitis. Siehe dazu auch Beispiel Sissi. Es ist heute zwar in fast allen Vitaminzusätzen enthalten, aber kein Ersatz für die natürliche Produktion. Ein zuviel an synthetischem Vitamin D ist sogar gesundheitsgefährdend!
Das Grundfutter sollte jedes Pferd in natürlicher Fresshaltung aufnehmen. Das Krippenfutter nach Möglichkeit auch. Da es aber in erheblich geringeren Mengen gefüttert wird, kann da, je nach Haltung, auch die „Futtertisch - Variante“ akzeptiert werden. Dabei sollte die Oberkante der Krippe aber nie höher als das Buggelenk des Pferdes sein. Am besten ist es, wenn der Krippenboden nicht höher als 1/3 des Stockmaßes des Pferdes ist. Denn der Schluckmechanismus des Pferdes ist nicht mit hoher Kopfhaltung und gewinkelter Halsung vereinbar.
Damit das Pferd sein Futter optimal verwerten kann, muss der Halter, oder die mit der Fütterung beauftragte Person, einige Grundregeln einhalten.
1.       Wo dem Pferd keine Möglichkeit gegeben ist jederzeit die Tränke aufzusuchen, muss VOR der Fütterung               sichergestellt werden, dass alle Pferde sich „satt getrunken“ haben.
2.      Raufutter IMMER vor dem Krippenfutter geben. Denn so wird die Speichelproduktion angeregt und das Pferd muss fleißig kauen.
3.      Das Kraftfutter wird frühestens 20 Minuten nach Beginn der Raufutteraufnahme gereicht.
4.      Vor Weidegang müssen Pferde reichlich Raufutter, am besten eine großzügige Portion Heu – Stroh – Gemisch, vorgelegt bekommen. Sie sollten niemals „hungrig“ in die Weide gelassen werden.
Wenn nämlich das Wasser auf den gefüllten Magen trifft, kommt es zur Verklumpung durch Druck und so zur Überfüllung. Das kann schnell zu Magenkoliken und Dünndarmverstopfung führen.
Landet das Kraftfutter vor dem Raufutter im Magen, bleiben die schweren Körner leicht länger auf dem Magenboden liegen und beginne evtl. zu gären, aber mit Sicherheit die Magenwände zu reizen. So kann man seinem Pferd Magengeschwüre anfüttern und unerwünschte Verhaltensauffälligkeiten aufzwingen. 
Weidegras wird vom *hungrigen* Pferd zu schnell aufgenommen und meist ungenügend gekaut. Das kann zu Magendruck und in seltenen Extremfällen zu Magenkoliken aber häufiger zu Bläh- oder Gärkoliken führen.
Am häufigsten jedoch einfach zu Verfettung, was andere gesundheitliche Probleme nach sich ziehen wird.
 
Rationsgestaltung
Zum Erhalt benötigt ein gesundes erwachsenes Pferd 100 % ausgewogenes Grundfutter und optimal abgestimmtes Mineralfutter. Soll es nun aber noch Leistung erbringen (Zucht, Ausbildung, Reiten, Fahren, Leistungssport, Nutzarbeit, oder einfach Wachstum), benötigt es, je nach Beanspruchung und Einsatzgebiet, zusätzliche Energie.
Dummerweise steigt der Bedarf des Pferdes nicht Linear mit der Belastung. 
Als Faustformel kann man sich aber merken, dass ein Pferd bei leichter Arbeit bis zu 15 %, bei mittel schwerer Arbeit bis zu 30 % und bei schwerer Arbeit bis zu 45 % Kraftfutter der Raufuttermenge benötigen kann. In der Regel ist es aber eher weniger.
Bei älteren und sehr jungen Pferden kann es mal ein wenig mehr sein, aber nie mehr als die eben genannten Anteile. 
 
Der Energiebedarf des Pferdes steigt unproportional zu der erbrachten Leistung.
 
Die Verteilung der Nähr-, Vital- und Baustoffe unterscheiden sich nicht nur bei unterschiedlichem Körpergewicht und Belastung, sondern auch je nach Entwicklung, Alter und unter Umständen auch Rasse. Von individuellen Bedürfnissen mal ganz abgesehen.
Kennen Sie den tatsächlichen Bedarf ihres Pferdes?
Die Natur der Pferde
Der Spagat zwischen der Natur des Pferdes und den Wünschen des Menschen zu schaffen ist nicht immer leicht, aber trotzdem immer machbar.
Um das zu veranschaulichen der Vergleich der Tageseinteilung von Wildpferd und Boxenpferd
Wildpferd Boxenpferd
Das Wildpferd, egal ob amerikanisches, asiatisches, afrikanisches oder europäisches, hat die selben Aktiv- und Ruhephasen. Es ist 60 % des Tages im Weideschritt mit der Nahrungssuche beschäftigt. In der Zeit legt es 20 bis 60 km zurück! Dazu kommen 7 % Bewegung im Trab und 1 % im Galopp, was in erster Linie *Spielzeiten* sind. Die restlichen 32 % des Tages wird mit Sonnen- und Sandbaden, Sozialkontakten, Ruhen und Schlafen vertan. 
Natürlich wird keine dieser Tätigkeiten am Stück ausgeübt.
Das Boxenpferd hingegen ist gezwungen seine *Wartezeit* zu 57 % des Tages mit Stehen, Ruhen und Liegen zu verbringen. 23 % bewegt es sich im Schritt in der Box UND unter dem Reiter. Daraus folgt, das die 14 % Trab und 6 % Galopp sich auf die kurze Zeit des Gerittenwerdens, in der Regel ca. 1 Stunde pro Tag, verteilen.
Weidepferd Offenstallpferd
Das Weidepferd nimmt in 52 % des Weideschritts mehr Gras auf, als das Wildpferd und schafft die Strecke nicht annähernd. Das Gras ist in der Regel dabei noch erheblich Wasser-, Protein- und Energiereicher als das Gras das Wildpferde vorfinden, schon allein durch die Monokultur der landwirtschaftlichen Nutzung (Süßgräser). Zuggleich kommt es aber auf ein Bewegungspotential von 10 % Trab und 7 % Galopp. Die 31 % Ruhezeit und Sozialkontakt entspricht dabei der, der Wildpferde.
Das Offenstallpferd hingegen ist 13 % des Tages im Trab und 9 % im Galopp unterwegs. 40 % Schritt und Fresszeiten füllen gemeinsam mit 38 % Ruhezeiten und Sozialkontakt den Rest des Tages
In der kombinierten Haltung gleichen sich, bei passendem Management, die Aktiv- und Ruhezeiten aus. So können die Bedürfnisse von Pferd und Mensch am harmonischsten verbunden werden.
Wird auch noch der Biorhythmus berücksichtigt kann man von paradiesischen Zuständen sprechen.
Kurzweil durch Fresszeiten
Die Fresszeiten der verschiedenen Futtermittel sollten bei der Rations- und Tagesgestaltung berücksichtigt werden.
Die Struktur der Futtermittel bestimmt die Kauzeiten. Saftiges Weide(l)gras ist verständlicherweise schneller gefressen als langstieliges grobes Heu.
Weitere Punkte, die die Kauzeiten beeinflussten, sind die Größe des Pferdes, bzw. dessen Maul, und die Gier, mit der sich das jeweilige Pferd über sein Futter hermacht.
Futtermittel durchschnittliche Dauer der Futteraufnahme  (Zeit / kg Futter)*
Zeiteinheit Großpferde Kleinpferde & Großesel kleine Ponies & Esel
Steppengas Stunde 1,7 kg 1,4 kg 1 kg
Weidegras, gemischter Bewuchs, extensiv Stunde 1,4 kg 1 kg 0,7 kg
Weidegras, gemischter Bewuchs, intensiv Stunde 1,1 kg 0,7 kg 0,5 kg
Heu, 1. Schnitt Mitte bis Ende der Blüte Stunde 1,7 kg 1,4 kg 1 kg
Heu, 2. Schnitt Mitte bis Ende der Blüte Stunde 2 kg 1,7 kg 1,4 kg
Heu, Krummet Stunde 1,4 kg 1 kg 0,7 kg
Grassilage, nass, rindergerecht Stunde 1,1 kg 0,7 kg 0,5 kg
Anwelksilage, Gärheu Stunde 1,4 kg 1 kg 0,7 kg
Heulage Stunde 1,6 kg 1,2 kg 0,8 kg
Stroh Stunde 2 kg 1,8 kg 1,3 kg
Hafer, ganz oder gequetscht Minute 40 g 20 g 10 g
Mischfutter, Müsli Minute 40 g 20 g 10 g
Mischfutter, Pellets Minute 40 g 20 g 10 g
* Achtung! Sehr gierige Pferde schaffen auch die doppelten Mengen.
Wenn nun 1 bis 1,5 kg Raufutter pro 100 kg / LM berechnet werden, benötigt ein 600 kg Pferd pro Tag 6 bis 9,5 kg. Das Pferd wäre so ca. 10 bis 16 Stunden mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt, ohne sich dabei bemühen zu müssen.
Das 400 kg Kleinpferd wäre mit 4 bis 6 kg Heu etwa 5 bis 8 Stunden beschäftigt.
Das 200 kg "Leichtgewicht" bekommt 2 bis 3 kg für eine Kauzeit von bis zu 3 Stunden.
Diese Zahlen zeigen deutlich, das es nicht damit getan ist, den Pferd einfach die benötigte Menge Rauffutter vorzusetzen. Je kleiner / leichter ein Pferd ist, desto wichtiger wird es seine Fresszeiten zu verlängern. Um das zu erreichen gibt es verschiedene Wege. Welcher für das jeweilige Pferd / Haltungssystem der Richtige ist, muss getestet werden.
Die Qual der Wahl
Im Dschungel der Pferdefuttermittel ist sie groß, die Qual der Wahl.

Foodstock hat derzeit Daten von über 350 Kraftfuttersorten, so wie über 400 weitetet Futtermittel verschiedener Hersteller in der Datenbank. Dazu kommen die traditionellen Einzelfuttermittel, Grundfutter und Saftfutter. 
Zur Berechnung verwenden wir unser firmeneigenes Programm unter Berücksichtigung der Individualität jedes Pferdes. Aus diesem Grund werden Sie nie genötigt ein Firmeneigenes Futter zu kaufen, da wir gar keines Herstellen oder vertreiben. 
Foodstock hat die Berechnungs- und Beratungstätigkeit 2009 eingestellt.