| Hufrehe - oder auch Hufverschlag | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Was ist Hufrehe? |
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Hufrehe, auch Hufverschlag genannt, ist eine sehr schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut. Sie befällt in der Regel die Vorderhufe, selten auch die Hinterhufe. Eine gemeinsame Behandlung durch Tierarzt und Schmied (oder ähnliche Fachrichtung) ist unumgänglich. |
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Die Symptome einer beginnenden Rehe zu erkennen ist äußerst schwierig. Selbst einige Tierärzte erkennen sie zu Anfangs nicht sicher. Erste Anzeichen einer möglichen Rehe: · leichter Temperaturanstieg im Huf (Huflederhautentzündung) · etwas verstärkter Puls in der Zehenseitenarterie dann: · Absinken der Temperatur bis evtl. etwas kühler als normal · klammer und steifer Gang (watscheln wie eine Ente) erst jetzt kommen die Anzeichen der eigentlichen Hufrehe. · schnellere Atmung und Puls · vielleicht Temperaturanstieg um ein bis zwei Grad · geschwollener, beziehungsweise ausgedehnter, und erwärmter Kronrand (Innendruck) · starke Druckempfindlichkeit der betroffenen Hufe · das Pferd fühlt sich nicht gut und hat vielleicht sogar Angstzustände · Typische Rehestellung |
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Typische Rehestellung eines an akuter Hufrehe leidenden Pferdes |
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Medizinisch werden 4 verschiedene Typen unterschieden.
Sie ist zumeist Folge unsachgemäßer Fütterung. Das kann vieles sein von verdorbenem, über ungeeignetes bis zuviel oder auch zuwenig und vor allem giftiges Futter.
Sie entsteht durch bakteriell bedingte Zersetzungsprozesse, wenn nur kleinste Teile der Nachgeburt in der Gebärmutter zurück bleiben.
Sie wird allgemein durch hohe mechanische Belastung der Hufe, z. B. durch langes laufen auf harten Böden (Asphalt) verursacht, kann auch durch zu großes Gewicht hervorgerufen werden. Damit ist nicht nur das Eigengewicht des Pferdes, sondern auch eine Überbelastung durch zu schwere Reiter (mit samt Ausrüstung) gemeint.
Diese Form der Rehe hängt immer wieder mit der Futterrehe zusammen. Nämlich dann wenn das Pferd giftiges gefressen hat. Ansonsten ist es eine Nebenwirkung von Medikamenten. Oft ist sie bekannt und wird vom Tierarzt „in Kauf genommen“, manchmal aber auch eine unerwartete Empfindlichkeit des behandelten Pferdes. |
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Das größte Risiko bei einer Hufrehe sind die Hufbeinrotation und –senkung, da es im schlimmsten Fall zu einem Sohlendurchbruch führen kann. |
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Was tun bei Hufrehe? |
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Erkennen von Hufrehepferden |
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So wie man an den Jahresringen des Baumes dessen Alter und das Wetter der jeweiligen Jahre erkennen kann, kann man ein Rehepferd an den Hufen erkennen. Die Ringe des Baumes bilden sich von innen nach außen. Die des Pferdes von oben nach unten, so denn kein schlechter Schmied diese Ringe einfach abgeschliffen hat. Handelt es sich nur um gleichmäßige, farbliche Ringe mit einer minimalen Riffelung, sind es so genannte Futterringe. An ihnen kann man ablesen wie gleichmäßig die Nährstoffversorgung des Pferdes war und wo und wann Futterumstellungen stattfanden. Wird die Riffelung tiefer, fand eine deutliche Veränderung statt. Das kann ein abrupter Futterwechsel, eine Erkrankung oder großer Stress über längere Zeit gewesen sein. Sind diese Ringe nicht mehr gleichförmig, sondern laufen in Wellen oder asymmetrisch um den Huf hat mit Sicherheit ein Reheschub vorgelegen. Wenn die Ringe an den Trachten weit und an der Zehe eng verlaufen, war es eine starke Rehe. Vielleicht sogar mit eine Hufbeinrotation oder gar Hufbeinsenkung. Hat der Huf eine auffällige Knollform und eine verbreitere weiße Linie hat es mit Sicherheit eine Hufbeinänderung gegeben und der Huf sollte unbedingt für den Schmied geröntgt werden. Nur so kann er erkennen wie weit er den Huf bearbeiten kann und darf, und ob das Pferd jemals wieder auf einem *normalen* Huf stehen wird. |
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Was ist über die Fütterung beeinflussbar? |
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In jedem Fall ist die Ernährung des Pferdes genau zu überprüfen, um die Rekonvalenz zu unterstützen. Eine vollständige Heilung ist leider nicht immer möglich, ein erscheinungsfreies Leben dagegen aber immer. Annähernd alle Stoffwechselstörungen, das gilt auch für die meisten Hufrehefälle, lassen sich über eine optimal ausgewogene Diät soweit heilen, das keine neuen Reheschübe entstehen. |
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Vermeidung von Hufrehe |
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Um eine Hufrehe zu vermeiden müssen vier Punkte in Fütterung und Haltung bedacht werden:
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Bedarfsgerechte Fütterung mit geeigneten Futtermitteln |
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Wie zu beginn bereits besprochen, hat jedes Pferd seinen individuellen Bedarf an Vital- und Baustoffen. Die Menge dieser Nährstoffe, die ein Pferd benötigt, umfasst einen gewissen Rahmen, der bei Rehekandidaten erheblich enger gefasst ist als bei anderen Pferden. Auch hier ist die Grundfütterung auf raufaserhaltigem Futter aufzubauen. Ergänzt durch ausgewogenes Mineralfutter und aufgewertet durch optimales Kippenfutter, bei entsprechender Belastung. Zu meiden sind Futter mit hohen Konzentrationen von Kohlehydraten wie Stärke und Zucker, besonders Fruktan, sowie Eiweiße. Deshalb müssen auch Gras, Silagen und Heu genau bemessen werden. Dass das Krippenfutter so knapp wie möglich gereicht werden sollte versteht sich wohl von selbst. Werden höhere Beanspruchungen vom Pferd verlangt, muss Energie her die das Pferd nicht „belastet“. Dazu eignen sich bei Rehepferden Fette besonders gut. Aber auch die dürfen nicht gedankenlos eingesetzt werden! Mischfutter mit 15 % Rohfett werden meist gut vertragen. Öle können bis zu 400 ml an durchschnittliche Warmblüter (600 kg LM) verfüttert werden, wenn sie es fressen und vertragen, was nicht immer gesagt ist. |
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Vermeidung von Übergewicht durch genügend Bewegung |
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Spaziergänge sind auch Bewegung und Kurzweil |
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Neben einer ausgewogenen Fütterung ist auch genügend Bewegung immens wichtig. Da die Weidezeit begrenzt ist, wird das Pferd die Zeit bevorzugt mit fressen verbringen. So bleibt kaum Zeit zum toben. Weshalb der Einsatz von Fressbremsen in Erwägung zu ziehen ist, weil sie die Dauer des Weidegangs verlängern können. In auffällig vielen Fällen bewegen sich solche Pferde auch auf dem Paddock noch wenig. Ansonsten ist der Mensch gefragt, für das nötige Maß an „Action“ zu sorgen. Was in verschiedenen Formen möglich ist. |
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Allmähliche Futterumstellung |
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Jede Futterumstellung muss langsam und mit Bedacht durchgeführt werden. Abrupte Umstellungen können verschiedene gesundheitliche Probleme verursachen. Die leichtesten sind kurzzeitiges Kotwasser oder „Bauchgrimmen“, gefolgt von Durchfall und Koliken über Stoffwechselstörungen bis hin zu Reheschüben. |
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Geregelter Weidebewuchs und -zeit |
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Die Weide ist das Problemkind der meisten Pferdehalter. Die wenigsten wissen was da eigentlich wächst oder wachsen sollte, und noch weniger können die Pflanzen auch bestimmen. Auf den Wiesen und Weiden der Landwirte mit Viehhaltung (besonders Rinder) wächst in erster Linie Deutsches und Welsches Weidelgras. Das für Pferde nicht besonders gut geeignet ist, da es eine sehr hohe Konzentration an wasserlöslichen Kohlehydraten (WLK) enthält. Davon besonders viel Fruktan, das von dem australischen Wissenschaftler Longland als Auslöser für Rehe nachgewiesen wurde. |
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Quelle: Hufrehe (ISBN 3-275-01443-9) Seite 125 |
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Natürlich verändert sich der Gehalt an WLK ständig – sonst wäre es ja zu einfach. Je nach Wachstum, Jahres- und Tageszeit schwanken die Werte beachtlich. |
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Quelle: Hufrehe (ISBN 3-275-01443-9) Seite 123 |
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Mai: sonnig, maximal 28° C; Juli: kühl, regnerisch, maximal 19° C |
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Quelle: Hufrehe (ISBN 3-275-01443-9) Seite 123 (nach Longland et alt., 1999) |
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Generell kann man sich merken, das alle blattreichen Pflanzen (Untergräser, kleeartige) die sich gut silieren lassen über hohe WLK verfügen, und somit nicht für Hufrehe gefährdete Pferde geeignet sind. |
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Was nun aber kann das „Rehepferd“ fressen? |
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Das hängt ganz vom jeweiligen Pferd ab. Generell das gleiche wie alle anderen auch, aber deutlich weniger davon und vor allem genau bemessen und portioniert, damit das Pferd nie Langeweile hat und seine ca. 12 - 16 Stunden Fresszeit bekommt. Das ist nichts für Rehepferde! , hört man ständig und überall. Weide ist zu Eiweißreich, im Heu bleibt viel zu viel Fruktan erhalten, wusste Cavallo im Sommer 2004 zu berichten, und Silagen sind zu stärkehaltig. Alle Aussagen sind wahr, aber nicht unbedingt richtig. Wie bei allem im Leben: Die Dosis macht’s! |
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Gras |
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Egal ob Weide oder Frischgrasschnitt, ein Rehekandidat sollte nicht an den ersten Aufwuchs des Jahres gelassen werden. Denn da können tatsächlich sehr hohe Proteinwerte die Gesundheit gefährden. Erst wenn das Gras „älter“ ist (Mitte bis Ende der Blüte / besser noch überständig) sinken diese Werte erheblich. Das gilt aber nicht unbedingt für die Fruktangehalte. Die hängen vom Wetter, sprich Sonneneinstrahlung und Temperatur, ab. Gras benötigt zum wachsen Energie. Die bildet es durch Sonnenlicht in Form von Fruktan. Um zu wachsen, benötigt es aber auch Wärme um die gebildete und gespeicherte Energie zu verarbeiten. Sobald ein gewisses Maß an Sonnenlicht vorhanden ist, wird die Energiegewinnung gestartet. Das heiß sie wird in Form von Fruktan in der Pflanze gebildet und bei zu geringer Wärme (ca. ab 6°C in der Sonne; Wolkenlos oder geringe Bewölkung) gespeichert. Erst wenn auch genügend Wärme (ab ca. 12°C) die Pflanzen erreicht wird das Fruktan abgebaut und in Wachstum umgewandelt |
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Natürlich muss auch genug Feuchtigkeit für das Wachstum der Gräser vorhanden sein. Sonst kann das Fruktan nicht abgebaut werden und wird weiter gespeichert, was die Hufrehegefahr erheblich erhöht. Weidegräser enthalten im Jahresdurchschnitt 15 g Zucker pro kg. Was aber je nach Jahres- und Tageszeit zwischen 5 und 32g schwankt. |
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Heu |
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Durch die Trocknung des Grases nehmen alle Nährstoffe ab. Die meisten verlieren sich mit der Lagerung sogar noch mehr. Aber wie so häufig: Ausnahmen bestätigen die Regel. Die WLK, und damit das Fruktan, nehmen sogar zu! Wie es dazu kommt ist eigentlich recht logisch. Durch den Schnittzeitpunkt, bei viel Sonne und Wärme, ist das Gras mit starkem Wachstum beschäftigt. Durch das mähen wird ihm aber die Möglichkeit zum wachsen geraubt und es ist gezwungen das gebildete Fruktan zu speichern. Auch während des Anwelkens bildet es noch weiter Fruktan, das nicht verbraucht werden kann. So enthält es pro kg im Durchschnitt 32 g Zucker, wovon ein großer Teil Fruktan ist. Da Fruktan zu den wasserlöslichen Kohlehydraten gehört, kann es aber problemlos durch starkes Wässern ausgespült werden. |
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Silagen |
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Es ist weniger die Stärke, sondern viel mehr die Proteine, und je nach Silagetyp auch die WLK, die durch die Konservierung, nur sehr kurzzeitig nach dem Schnitt, in der Silage erhalten bleiben. Denn Gas wird zur Silierung früher geschnitten als zum Heuen. Somit ist der Proteingehalt deutlich höher. Allerdings steigen die Werte der WLK mit der Länge der „Vorwelkzeit“ an! (siehe Heu!) Das heißt, dass eine rindergerechte Silage weniger WLK (durchschnittlich 11 g / kg), besonders Fruktan, enthält als eine pferdegerechte Heulage oder Gärheu (durchschnittlich 14 g / kg). Dafür enthält Erstere aber erheblich mehr Proteine, die zur Leistungsfütterung der Rinder und Kühe benötigt werden. |
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Extensiv Pferdeweide mit gemischtem Bewuchs: |
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Rinder gerechte Silage Pferde gerechtes Gärheu bei längerer Anwelkzeit |
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Intensiv (Düngung & Nachsaat) Weide und Mähwiese mit landwirtschaftlichen Bewuchs: |
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Rinder gerechte Silage Pferde gerechtes Gärheu bei längerer Anwelkzeit |
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| MJ = Mega Joule Rp = Rohprotein WLK = Wasserlösliche Kohlenhydrate | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||