Kraftfutter
Erst wenn das Pferd seinen Erhalt- und Leistungsbedarf nicht mehr aus qualitätvollem Grundfutter decken kann ist Kraftfutter nötig. Selbst dann gilt:
Soviel wie nötig, so wenig wie möglich.
Einzelfutter sind nicht nur Futter, die einzeln gekauft, sondern auch einzeln gefüttert werden können. Zugleich sind sie die Bestandteile der Mischfutter
   

 

  Hafer - nur zuviel sticht

 

  Es gibt mehrere Sorten Hafer. Alleine 32 Sommerhafersorten, die alle gelb- und weißspelzig sind, wurden 2005 für den Anbau getestet und empfohlen. Je nach Farbe der Spelzen unterscheidet man Gelb-, Weiß- und Schwarzhafer. Ihre Nährstoffwerte sind annähernd gleich. Schwarzhafer gilt als der beste „Pferdehafer“. Nicht weil er so nahrhaft ist, sondern weil er viel seltener verpilzt und weniger staubt. Das liegt an den optimalen Klimaverhältnissen im Anbauland Frankreich. Allerdings verdirbt er genauso schnell wie andere Sorten, wenn er nicht trocken gelagert wird, oder vor dem Einlagern nicht völlig trocken war. Das gilt allerdings für alle Futter.
  Eine Qualitätskontrolle kann nach bestandener der Sicht- und Geruchsprobe auch durch die Bestimmung des Litergewichtes stattfinden. Dazu wird bei mehreren Mess- und Wiegedurchgängen das Mittelmass bestimmt. Wiegt der Liter Hafer mindestens 480 g ist er von einer guten Futterqualität, bei 550 g und mehr ist er von sehr guter Qualität. 400 g und weniger zeugen von minderer Qualität. Mit ihr sinkt der Energie- und Nährstoffgehalt. Quetschhafer ist im Schnitt etwa 30 % leichter und sollte innerhalb von 14 Tagen verbraucht werden. Doch sollte statt der Hafer zur Quetsche lieber das Pferd zur Zahnkontrolle gebracht werden. Denn der Spelz regt zum besseren Kauen an. So wird er besser eingespeichelt und verdaut. Landen ganze Körner mit dem Kot auf dem Boden sind in der Regel die Zähne schuld. Da hilft auch kein Quetschhafer.
  Nackthafer ist insgesamt Protein- und Fetthaltiger. Er ist aber auch deutlich Rohfaser ärmer.
  Die Mähr vom Eiweißüberschuss kennt fast jeder, und ist völliger Blödsinn. Dafür wird die Stärke des Hafers fast vollständig (80 - 88 %) im Dünndarm verdaut und erhöht so recht schnell den Blutzuckerspiegel. Diese Energie steht dem Pferd schneller zur Verfügung, als die der schwerer verdaulichen Stärken anderer Getreide. Das macht Hafer nicht nur zum Getreidefutter Nummer Eins macht, sondern ihn vor allem auch für Pferde mit Verdauungsproblemen und sogar für Übergewichtige Pferde prädestiniert. Außerdem hat Hafer das beste Calcium - Phosphor - Verhältnis.
     

 

  Gerste - möglichst nicht ohne aufwertende Behandlung
  Meist wird Wintergerste gefüttert, da die Sommergerste, die weniger Eiweiß enthält, zum Bierbrauen eingesetzt wird. Somit ist sie zur Pferdefütterung schlichtweg zu teuer. Gerste ist das Traditionsfutter der Araber. Es ist energiereicher als Hafer, schmeckt den Pferden aber nicht so gut, was sich durch Poppen oder Flocken ändert.
  Außerdem ist sie auf Grund des ca. 50 %-igen Stärkegehaltes im Dünndarm schlechter verdaulich, nur ca. 22 % bei unbehandelten Körnern. Gerste wird hauptsächlich geschrotet und gequetscht gefüttert, obwohl sie mittlerweile immer öfter gepoppt wird (ähnlich den Knusperfrühstücksflocken für Menschen). So ist sie leichter verdaulich (bis zu 75 - 85 %). Sie enthält weniger Eiweiß, dafür ist sie energiereicher als Hafer. 900 g Gerste können 1 kg Hafer ersetzten. Ein Schluck Öl kommt dann Haut, Fell und Schleimhäuten zu gute, da Gerste recht fettarm ist. Das Calcium - Phosphor - Verhältnis ist akzeptabel und muss nicht mit großen Mengen zusätzlichen Calciums ausgeglichen werden.
   
  Mais - macht manchmal heiß

ganzes Korn

geflockt

  Mais ist, entgegen landläufiger Meinung, nicht das gängigste Pferdefutter der USA. Es ist als ganzes Korn, gebrochen, geflockt, gepoppt, siliert und als Ganzpflanzen-Cob erhältlich. Das ganze oder gebrochene Korn ist selbst für die starken Mahlzähne der Pferde zu hart. Zudem wird es nahezu unverdaut wieder ausgeschieden.
  In den Maiscobs sind, wie in der Silage, alle oberirdischen Pflanzenteile verarbeitet. Das sind Stängel, Pflanzenblätter, Fruchtblätter und - Fäden, Blüten und die ganzen Maiskolben verarbeitet. Eine Reinigung dieses Pflanzenschredders ist so gut wie nicht möglich. Es werden also auch diverse Tierchen und Schmutzpartikel mitverarbeitet.
  Auch die enthaltene Stärke (60 %) ist schwer verdaulich (nur 29 % im ganzen Korn  /  47 % im geschrotetem) und gelangt fast vollständig in den Dickdarm. Geflockt oder gepoppt kann das Pferd die Stärke am besten (über 90 %) verdauen. Dann sind allerdings die Nährstoffe nicht mehr in vollem Umfang enthalten.
  Gelangt zuviel der unverdauten Stärke in den Dickdarm, drohen Verdauungsprobleme von Kotwasser bis Hufrehe.
  Mais ist sehr energiereich, aber eiweiß- und rohfaserarm mit viel Vitamin E und Carotin. Der Fettgehallt lässt das Fell glänzen, obwohl er geringer ist als der des Hafers. Dazu ist das Calcium - Phosphor - Verhältnis ungünstig.
  Bei Leistungspferden können unter Umständen 300 g Mais 1 kg Hafer ersetzten, wenn die Fütterung auf ausreichend Heu basiert.
Große Mengen Mais, ob aufbereitet oder nicht, kann Pferde vermehrt schwitzen lassen.
     
    Dinkel - das Öko-Futter

  Und das nur, weil es auf Düngung nicht genügend reagiert und so einfach weniger gedüngt wird, was allerdings nur der Natur zugute kommt. Dazu kommt, das Dinkelbrot als besonders gesund gilt und die Spelzen eine angeblich schmerzlindernde Wirkung haben sollen und deshalb in Matratzen und Kissen verarbeitet werden. All dies treibt natürlich den Preis beachtlich hoch.
  Diese Urform des Weizens ist in der Pferdefütterung interessanter als Weizen, auch wenn noch nicht alle Firmen es eingesehen haben, weil er weniger Klebereiweiß enthält und ein besseres Calcium - Phosphor - Verhältnis hat. Trotz des höheren Stärkeanteils ist er ähnlich gut verdaulich wie Hafer, enthält dabei aber weniger Fette und Rohfaser. Die Rohfaserarmut lässt sich aber hervorragend durch Zugabe von Dinkelspelz beheben.
  Große Verbrauchertests haben gezeigt, das Pferde dinkelhaltig Futter mit weniger Gier fressen und so besser gekaut und einspeichelt wird. Dazu kommt die häufige Beobachtung von weniger aufgeblähten Bäuchen. Was ein Zeichen für eine gleichmäßigere Verdauung sein kann.
   
  Weizen - sparsam und selten genießen lassen

  Auf Grund der hohen Klebereiweiß- und geringen Rohfaseranteils sollte er nur in geringen Mengen angeboten werden. Er kann bei größeren Mengen leicht zu Schleimhautreizungen im Verdauungstrakt und sogar zu Hufrehe führen. Im Magen können die Kleberstoffe das Futter zu schweren Klumpen verkleistern. Dazu kommt ein ungünstiges Calcium - Phosphor - Verhältnis. Ausgerechnet diese Klebereiweiße wurde bewusst durch die Kultivierung des Weizens in ihrem Anteil erhöht, denn so gelingen Backwaren besser.
  Weizen wird in erster Linie als diätetische Komponente in Form von Kleie eingesetzt. Weizenkleie hat in der Fütterung junger Pferde nichts zu suchen, da ihr Calcium - Phosphor - Verhältnis noch weiter verschlechtert ist. Gleiches gilt, mit wenigen Ausnahmen, für Pferde mit Problemen im Knochenbereich.
  Bis zu 10 % Weizenanteil ist in Mischfuttern und Futtermischungen durchaus vertretbar, da die anderen Bestandteile und Nährstoffzumischungen in Verbindung mit einer reichhaltigen Raufuttergabe diese "Mängel" ausgleichen können.
  Bitte lesen Sie dazu auch das Kapitel Mash unten auf dieser Seite!
   
    Roggen - bedingt zur Fütterung geeignet
  Das Gleiche, wie für Weizen, gilt auch für Roggen, der als Korn sogar noch härter ist. Aber das Calcium - Phosphor - Verhältnis entspricht fast dem der Gerste.
   
Mischfutter besteht aus Getreide, Mühlennachprodukten und anderen Futtermitteln, so wie Zusätzen. Zusätzlich ist es mit Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen angereichert. Sie werden für spezielle Rassen oder Leistungen und Einsatzbereiche angeboten. Die angegebenen Fütterungsempfehlungen der Hersteller müssen für das jeweilige Pferd überprüft werden, denn oft werden die Mengen zu hoch angesetzt.
Viele Mischfutter sind extra eiweißarm. Dennoch ist es oft Leistungsfutter, das für einige Robustrassen nicht das Richtige ist. Die enthaltenen Obsttrester sind eiweißarme und rohfaserreiche „Abfallprodukte“ der Obstverarbeitung, die als Geschmacksträger eingesetzt werden. Melasse wird zur Geschmacksverbesserung und als Bindemittel für die Zusätze verwendet.
   
  Pellets - wenn große Mengen Leistungsfutter nötig sind
Oder auch bei stauballergischen Pferden unter Umständen sinnvoll.
  Sie werden aus gemahlenen Futtermittelkomponenten unter Hitze gepresst. Die gepressten Stücke fallen im Maul schon bei leichtem Kauen auseinander,  So bieten sie kaum Kauwiderstand. Sehr viele Sorten sind so stark getrocknet, dass sie durch Speichel zu quellen beginnen. Das kann zu gesundheitlichen Risiken wie Schlundverstopfung, Koliken und anderen Verdauungsproblemen führen, wenn Pferde sie in größeren Mengen gierig verschlingen. Andere sind sehr hart und belasten die Backenzähne genauso wie zu große Getreiderationen.
   
  Müsli - wenn's naturnah und einfach sein soll

  Müsli ist eine Mischung von Futtermitteln die überwiegend ihre natürliche Struktur behalten haben. Manche enthalten zusätzlich Pellets. Auf jedem Fall wird es im Allgemeinen besser gekaut als reines Pelletfutter, da es mehr Kauwiderstand bietet und strukturierter ist. So verlängert sich die Kauzeit und die Verdauung wird erleichtert. Bei sehr gierigen Pferden wird zur Vorsicht geraten, denn herunter geschlungenes Futter ist für die Verdauung ungenügend vorbereitet.
   

 

  Mash - Schonkost für besondere Fälle

  Mash ist ein diätetisches Mischfutter, das meist aus Weizenkleie, Quetschhafer und Leinsamen besteht. Es wird mit warmem Wasser angesetzt. Es gibt sehr viele unterschiedliche Fertigmischungen zu kaufen. Man kann sich aber auch die Mühe machen und es selber zusammenstellen und kochen. Mash ist in den meisten Fällen in gemahlenem Zustand im Handel. Nur wenige Firmen bieten es in weicher Müslimischung an. 
Mash ist auf keinem Fall ein Futter, dass zur dauerhaften Ernährung geeignet ist!
  Mash ist ein Diät-Futtermittel (Diät ist abgeleitet vom griechischen Wort diata, das heißt so viel wie Lebensweise) und bedeutet hier nichts anderes als Schonkost. Es ist abführend und regt die Verdauung an. Das kann bei zu reichhaltiger Ration und zu langer Fütterung zum Ausschwemmen der Darmorganismen führen, führt aber immer zu einer Änderung deren Zusammensetzung. Die wiederum stört die optimale und somit gesunde Nährstoffaufnahme. Nach oder während einiger Erkrankungen kann Mash Leben retten. 
  Häufiges füttern, weil die Pferde es doch so gerne mögen, ist leichtsinnig und evtl. sogar gefährlich. Mash hilft den Pferden im Winter nicht, sich aufzuwärmen oder Wärme zu speichern. Dazu eignet sich gutes Heu mit Abstand am besten. Ein Pferd (600 kg) benötigt über den Tag verteilt ca. 8 kg Trockensubstanz. Und 1 Liter Mash kann niemals 220 l Verdauungswege wärmen. Eine normale Verdauung dauert immerhin über 2 Tage!
  Mash "einfach mal so" zufüttern bedeutet immer auch gleich zwei Futterumstellungen. Ob man dem Dam des Pferdes und so auch dessen Flora das zumuten möchte sollte man sich schon überlegen. Einige Pferde sind immerhin so Verdauungsempfindlich, dass sie schon auf das zustecken eines weiteren Stücks Weide mit Kotwasser, Durchfall, Kolik, verstärktem Juckreiz (besonders bei Ekzem / Mauke) reagieren. In solchen Fällen ist es bestimmt besser das gewohnte Futter mit ca. 5 % der Gesamtmenge mit Weizenkleie aufzufüllen und evtl. noch mit einem Calcium-Träger und Leinsamen zu ergänzen, um diese Mischung dann als Mash anzusetzten.
  Eine dauerhafte Mashfütterung kann zu sehr gefährlichen Zuständen führen, wie unter Beispiel Ajax zu sehen ist.
   
Ein großes Manko bei allen Müsli- und Pelletfuttern besteht in der Deklaration. Die Zusammensetzung anzugeben ist zwar Pflicht, jedoch nicht in welchen Mengen. Zusätze unter einer gewissen Menge brauchen jedoch nicht angegeben werden. (Dazu gehört u. a. sogar das hochgiftige Selen.) Grundsätzlich gilt, dass die Zusammensetzung in bestimmter Reihenfolge anzugeben ist. Das was am meisten enthalten ist zuerst und so weiter. Bei einigen Inhaltsstoffen ist nicht immer ganz klar um was es sich nun genau handelt, bei anderen ist ihre Verwendung lediglich ein Füllmittel da jeder Nutzen fraglich ist.
   
Mühlennachprodukte
Dies sind Produkte und Abfallprodukte die beim Mahlvorgang anfallen. Wobei man vermeintlich Abfallprodukte nicht als Müll zum wegwerfen betrachten darf. Für die meisten dieser Produkte gibt es eine wirtschaftliche Verwertbarkeit. Und wenn sie in Matratzen (z. B. Dinkelspelz) oder Futtermitteln landen.
   
  Schrot
  Schrot ist grob zerkleinertes entspelztes und geschältes oder ungeschältes Getreide. Grobschrot entsteht nach den ersten Mahlvorgang. Es sind die unzermahlenden Getreiderückstände. Nicht zermahlende Bestandteile werden als Schrot den Futtermitteln zugeführt. Dabei ist es frei von Keimlingen. Also ein Abfallprodukt.
   
  Kleie
  Kleie sind die nicht zu zermahlende und mehlfreie Rückstände von Samen- und Fruchtschalen der Keimlinge. (Nicht zu verwechseln mit Spelzen.) Sie werden als Kleie den Futtermitteln zugeführt. Also ein weiteres Abfallprodukt.
   
  Keime / Keimlinge
  Dies ist der Fruchtkeim, man könnte auch Emryo sagen, der Pflanze. In ihm sind die meisten Fette so wie Bau- und Vitalstoffe enthalten.
   
  Spelzen
  Spelzen sind die äußeren Schutzhüllen der Getreidekörner.
   
  Extraktionsschrot
  Extraktionsschrot ist ein bei der Kaltextration zur Ölgewinnung entstehendes recht proteinreiches und fett- und rohfaserarmes Abfallprodukt. In erster Linie wird es aus Soja-, Raps- und Leinsamenextraktionsschrot in Pferdefuttermitteln eingesetzt.
   
  Kuchen
  Lein-, Raps- oder Sojakuchen sind die festen Rückstände die bei der Heißpressung entstehen. Sie sind in der Regel etwas billiger als Schrot, da es noch weniger Fette enthält. Also noch ein Abfallprodukt.
   
  Futterflocken
  Getreide wird gekocht, breitgewalzt und dann getrocknet. Diese Produkte werden für den menschlichen Verzehr gesüßt und ggf. gewürzt. Für Futtermittel werden sie direkt verwendet.
   

Grundsätzlich gilt für alle Kraftfutterarten:

So wenig wie möglich,

aber gerade soviel wie nötig.