Wie verdauen Pferde? 
Die wichtigste Voraussetzung für eine gute Verdauung beginnt bei der Wahl des Futters. Das heißt, dass nur Futter bester Qualität in die Krippen unserer Pferde gelangen darf. Das verdorbenes, schlechtes und ungesundes Futter, sowie Giftiges, nicht zur Fütterung geeignet ist versteht sich ja wohl von selbst.
Des Weiteren sollte das Futter so strukturreich wie möglich dabei aber nicht holzig sein, um ein möglichst langes Kauen zu erreichen. Lange Kauzeiten sollen nicht nur für Kurzweil in unserer Pferdehaltung sorgen, sondern auch für ein gutes Einspeicheln und Zerkleinern des Futters. Nicht, dass beim Schlucken schon die ersten Probleme auftreten und es zur Schlundverstopfung kommt, oder zu einer Magenverklumpung oder Kolik. Dazu benötigt das Pferd einwandfrei funktionierende Zähne und Kiefer. 
Hier ist, neben der Futterwahl und Rationsgestaltung, das zweithäufigste Problem in der Fütterung. Noch immer zu wenige Pferdehalter schicken ihre Pferde zum Zahnarzt, bzw. lassen den Pferdedentalpraktiker kommen.
Dadurch, dass unsere Pferde andere Gräser und kaum noch Kräuter und Strauchwerk auf ihren Weiden finden und oben drein den größten Teil ihres Futters vorgelegt bekommen, werden die Schneidezähne unzureichend  abgenutzt. Im Gegensatz dazu werden aber die Backenzähne durch die, oft sehr groß portionierte, Getreidefütterung erheblich stärker beansprucht. Diese unzureichende Abnutzung der Zangen (Schneidezähne) zwingt das Pferd bei jeder Kaubewegung den Kiefer mit mehr Druck zu schließen, als es das bei gleichmäßiger Nutzung von Natur aus tun würde. Der Druck, der dadurch auf die Zangen wirkt, schiebt die Zähne vermehrt in die spitzwinkelige Form, die beim älteren Pferd als normal betrachtet wird, aber nicht ist. Denn die Frontzähne brechen regelrecht aus den Zahntaschen aus.
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unnatürliche Zahnstellung des älteren bis alten Pferdes

Weitere Probleme bereitet das Getreide selber. Das Pferd muss die Körner mühevoll auf den schrägen Kauflächen der Molaren (Backenzähnen) balancieren, was es dazu nötigt mit kleineren Bewegungen zu mahlen. Das führt unweigerlich zu ungleicher Abnutzung der Backenzähne. Diese Abnutzungen sind als Zahnhaken, -rampen, -schärfen und weitere Anomalien bekannt. 
Gemein ist ihnen, dass sie die Kieferbeweglichkeit, nicht nur beim Kauen, einschränken und so ein gründliches Zerkleinern erschweren. Solche Anomalien bereiten unseren Pferden auch nicht unerhebliche Probleme beim Tragen des Gebisses und führen zu Rittigkeitsproblemen, deren Ursache viel zu oft nicht bei den Zähnen gesucht werden. Nur beim gründlichen Kauen werden die ersten Keime bereits durch im Speichel enthaltene Enzyme unschädlich gemacht. Heu und Gras wird zu 8 bis 14 mm kurze Stückchen zerlegt. Das ist die Fasergröße von zerbröckelten Heucobs. So wird das klein zerkaute Futter ohne Schwierigkeiten in nur 10 - 15 Sekunden durch den 1,2 – 1,5 m langen Schlund in den ca. 15 - 18 Liter großen Magen massiert. Denn der Schlund ist von Ringmuskeln umgeben die den Futterbrei voran schieben. Diese Muskeln funktionieren nur Richtung Magen, weshalb Pferde ihr Futter nicht hoch würgen können.
Die von schräg oben in den Magen mündende Speiseröhre verfügt über einen starken Schließmuskel, der verhindert das Futter zurück in den Schlund gerät. Auch bei erheblicher Überfüllung oder gar Gärung! (Fehlgärungen führen zu Magendruck und Magenkoliken) 
Im Magen wird das Futter nun zwischen ein und fünf Stunden vom Magensaft durchsäuert. Das Pferd produziert kontinuierlich Magensäure, im Gegensatz zum Menschen der dazu einen Anreiz (Geruch, Anblick) benötigt. So kommen am Tag gute 30 Liter zusammen. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass Pferde nie längere Zeit ohne Futter sein dürfen. Nur während es große Leistungen vollbringt (rasante Flucht, wilde Spiele oder intensive Nutzung durch den Menschen) verlangsamt sich die Magensäureproduktion. Ein Pferd sollte in der Freizeit nicht länger als 4 Stunden ohne Raufutter sein. Denn längere Fresspausen begünstigen Magengeschwüre nicht unerheblich. Denn steht die Magensäure im leeren Magen geht es dem Pferd wie einem Menschen mit massivem Sodbrennen. Der Mensch greift dann zum Medikament, dem Pferd hilft (fast) nur genügend Heu. Am besten so das es rund um die Uhr die Möglichkeit hat Heu in kleinen Portionen aufzunehmen und der Darm nie leer wird. Holzfressen ist z. B. einen Anzeichen für Raufuttermangel und / oder Zahnprobleme.
Je besser das Futter eingespeichelt und gekaut wurde, desto eher gelangt es, ohne Fehlgärung, durch Kontraktionswellen in den höher als der Magenboden liegenden Dünndarm. 

Aufbau des Magens

Kaut das Pferd schlecht, oder Fütterungstechnik oder Futter stimmen nicht, bleibt das Futter länger im Magen und belasten ihn nicht unerheblich. 
Die schnellverdaulichen Kraftfutterbestandteile werden im Dünndarm aufgeschlossen. Auch hier gilt: nur gut gekautes Futter kann gut verdaut werden. Nur dann können die Enzyme wirklich alle nötigen und möglichen Nährstoffe aus dem Speisebrei holen. In nur etwa zwei Stunden passiert das Futter den ungefähr 64 Liter fassenden, etwa 20 Meter langen Dünndarm. (Getreideverdauung) Ist das Futter reich an schwerverdaulicher Stärke, gelangt diese unzureichend vorbereitet in den Dickdarm und sorgt da für Probleme

Größenverteilung des Verdauungsweges

Die Faseranteile des Futters (Spelzen, Heu und Stroh) gelangen weitgehend unverdaut in den fast 8 Meter langen, um die 130 Liter fassenden Dickdarm. Der besteht aus dem Blinddarm und dem großen und kleinen Kolon. In den beiden ersten Gärkammern werden die für Menschen unverdaulichen, aber für Pferde unersetzlichen Nahrungsbestandteile aufgeschlossen. Die Mikroorganismen brauchen 33 bis 44 Stunden um diese Stoffe aus dem Rohfaserbrei zu lösen. Dabei liefern sie flüchtige hochverdauliche Fettsäuren, Vitamine und Spurenelemente an das Pferd. 
Vor allem versorgen sie das Pferd mit der nötigen  „Langzeit – Energie“, die wichtiger ist als die schnellverdauliche aus der Getreidefütterung. 
Im kleinen Grimmdarm wird dem Rest des unverdaulichen Futterbreis das Wasser entzogen. So kommt es zur Kotbildung. Nach ungefähr weiteren zwei Stunden im Mastdarm fallen die Äppel, die wir mehr oder weniger mühevoll entsorgen.
Mit andern Worten: was unser Pferd heute frisst, wird, bei normaler Verdauung, erst übermorgen ausgeschieden.
Zur gesunden Verdauung brauchen Pferde also Futter mit viel Kauwiderstand, dass sie selber suchen und abbeißen müssen und aus viel Rohfaser besteht. Ein Übermaß an Getreide schädigt Zähne, Magen und Darm.