Verwurmt noch mal! -Pferdentwurmung bei Weide- und Stallhaltung
 

 

Parasiten schädigen nicht nur den befallenen Bereich, wie Magen, Darm, Lunge, Leber und Blutgefäße, sondern belasten den gesamten Körper. Sie schwächen das Immunsystem so, dass auch andere Infektionen sich leichter ausbreiten können.

Sie mindern die Leistungsfähigkeit und können Pferde sogar töten.

 

Wurmbefall ist in jeder Pferdehaltung ein Problem!

Die Höhe des Infektionsdruckes hängt von der Haltungsform, der Bestandsdicht, der Bestandsfluktuation, der Hygiene und den Vorsorgemaßnahmen ab.

Auch das Alter der Tiere spielt eine Rolle. Auch Saugfohlen werden infiziert.

Ein Wurmbefall wird meist nicht erkannt, da sichtbare Symptome oft erst mit erheblicher Verseuchung verbunden sind.

Den größten Schaden richten die Jungstadien der Rundwürmer an. Rundwürmer sind: Palisadenwurm, Spulwurm, Lungenwurm, Magenfadenwurm, Pfriemenschwanz und Zwergfadenwurm.

 

Tipp:

Die Grundlagen für ein gesundes Pferd werden in der Jährlingsaufzucht gesetzt, nicht beim ausgewachsenen Pferd.

Wichtig sind hier:

  1. Hochwertiges Heu und ausreichend Weide
  2. Regelmäßige Entwurmung
  3. Bewegung für gute Gelenk- und Hufentwicklung
  4. Sozialkontakte
 

Der Tierarzt ist Ihr Partner bei der Bekämpfung des Wurmbefalls!

Durch Kotuntersuchung bestimmt er die Art und die Höhe des Befalls und so die strategisch beste Parasitenbekämpfung durch die Wahl der richtigen Wirkstoffgruppe. Durch weitere Kotuntersuchengen wird der Erfolg der Behandlung kontrolliert.

Wird bei einer Kotuntersuchung ein Befund erhoben, so ist eine gezielte Bekämpfung möglich. Eine Untersuchung ohne Befund bedeutet aber leider nicht, dass das Pferd frei von Endoparasiten ist. Es konnten nur in diesem Stadium keine festgestellt werden. Schon drei Tage später kann das ganz anders aussehen.

 

Ziel der Parasitenbekämpfung

Die schlechteste Therapie ist mit Sicherheit die Heilung parasitenbedingter Erkrankungen. Eine Symptombehandlung, ohne die Ursache anzugehen, bringt, genau wie bei anderen Erkrankungen, keine Heilung.

Die besseren Strategien sind Begrenzung der Schäden nach erfolgter Infektion und eine Begrenzung der Eiausscheidung auf ein akzeptables Maß, was unter 200 Eiern pro Gramm Kot liegt.

Wer glaubt sein Pferd sei Parasiten frei, der irrt gewaltig.

 

Die Entwicklungsstadien von Würmern

Die Eier werden über den Kot ausgeschieden. In diesem Stadium ist eine Diagnostik und Ansteckungsgefahr für andere Tiere möglich. Die Eier und Larven werden beim Fressen und bei der Körperpflege aufgenommen und reifen im Pferd zu geschlechtsreifen Würmern heran.

Geschlechtsreife Würmer leben im Pferdedarm, -magen, -lunge, oder -leber.

Die meisten Wirkstoffe der Wurmkuren können den Eistadien nichts anhaben, weshalb es immer wieder zur Reinfektion kommt.

 

 

Die Infektionsquellen sind überall!

Über die Stutenmilch infiziert sich das Fohlen mit Zwergfadenwürmern.

In einer Stallhaltung ist die Infektionsgefahr für Pferde mit Palisaden- und Zwergfadenwürmern möglich, aber erheblich geringer als mit Pfriemen-schwänzen, Rollschwänzen und Spulwürmern. 

Eine Weide bietet eine Infektionsmöglichkeit mit Palisaden-, Band- und Spulwürmern.

Die Gefahr von Magendasseln und Leberegeln besteht ebenfalls.

Der Lungenwurm wird, genau wie in der Stallhaltung, fast ausschließlich über die gemeinsame Haltung mit Eseln verbreitet. Allerdings erkranken Pferde erheblich heftiger als Esel.

Wurmbekämpfung bei Pferden in Weidehaltung!

Das Weidemanagement entscheidet mit über den Infektionsdruck. Dazu muss man besonderes Augenmerk auf die großen, auch Blutwürmer genannten, und kleinen Palisadenwürmer richten. Von ihnen geht die Hauptgefahr aus.

Medikamentelle Vorbeugemaßnahmen bei Weideauftrieb und bei Aufstallung soll die Eiausscheidung minimieren, verhindern geht leider nicht.

Neuzugänge bedeuten neue Infektionsmöglichkeiten und bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit.

Ein sinnvolles Weidemanagement hilft die Infektionsgefahr erheblich zu verringern.

Vor dem ersten Weidegang des Jahres sollte ein kleiner Bereich abgesteckt und vorgemäht werden, oder durch viertelstündliches Anweiden und tägliches absammeln sauber gehalten, werden. Kommen die Pferde nun für Stunden raus wird täglich ein „Fressbereich“ durch Weitersetzen des Zaunes neu vorgeben, um überfressen vorzubeugen.

Sind die Pferde ganz draußen muss einem Überbesatz der Weide vermeiden werden. Ideal sind 2 Pferde pro ha. Auch Wechselbeweidung mit Rindern im Jahresrhythmus und das Absammeln der Pferdeäppel von der Weide, mindestens 2 x wöchentlich, mindern den Infektionsdruck erheblich.

Keine gemeinsame Beweidung mit Eseln zur Verhinderung einer Lungenwurm – Infektion.

Tipp:

Bei wenig Koppelareal, bei wechselnden Gruppen auf gleichen Koppeln, bei wechselnder Gruppenzusammensetzung zeigt eine wöchentliche Kotprobenuntersuchung nach der Wurmkur die nötigen Behandlungsintervalle an.

Die Hauptgefahr geht von Palisadenwürmern aus!

Der Infektionsdruck mit Palisadenwürmern auf einer Pferdeweide ist zwischen Juli und Dezember am höchsten, wobei erheblich mehr kleine als große Palisadenwurmeier ausgeschieden werden.

Im Winter, im Stall, mindert sich die Belastung, endet aber nicht.

Medikamentelle Vorbeugung durch regelmäßiges Entwurmen!

Regelmäßig heiß nicht ein- oder zweimal im Jahr! Dreimal, besser viermal Jährlich und vor allem planmäßig soll die Gabe von Wurmkuren zur Verringerung des Infektionsdruckes mit Endoparasiten erfolgen. Bei Bedarf noch öfter.

Dazu gibt man vor dem Verbringen auf die Weide, der in der Regel zwischen März und Mai,

die Wurmkur, die der Tierarzt als Mittel der Wahl empfiehlt. Zu meist ein Präparat mit Wirkung gegen Magendassellarven. Während der Weidehaltung hängt es dann unter anderem von der Haltungsform ab.

Die Medikamentelle Vorbeugung auf der Standweide ist als Selektiventwurmung oder Intervallentwurmung möglich.

Die Selektiventwurmung ist nur in kleineren Gruppen sinnvoll, da von allen Pferden monatlich Kotproben untersucht werden müssen. Entwurmt werden dann alle Tiere mit mehr als 200 Eiern pro Gramm Kot.

Die Intervallentwurmung findet, je nach Wirkstoff alle 6 bis 8 Wochen statt und beginnt Anfang Mai. Dabei werden alle Tiere zeitgleich entwurmt. Die Intervall-entwurmung verringert die Larvenbelastung der Weiden und somit auch die der Pferde.

Tipp:

Wenn möglich, die Pferde für ca. 3 Tage nach der Wurmkur auf ein kleineres Areal abzäunen, um die Äppel besser absammeln zu können!

Bei der Umtriebsweide werden ebenfalls alle Pferde zeitgleich entwurmt und nach ca. drei Tagen auf eine neue Weide verbracht.

Daher auch der Ausdruck Dose - and - Move – System. Dosis rein und ab die Post. Was den Infektionsdruck deutlich verringert.

Es Das funktioniert aber auch nur wenn wenigstens 2 Weiden vorhanden sind. Die verlassene Weide sollte dann gekalkt werden, was den liegen geblieben Eiern und überlebenden anderen Stadien nicht besonders bekommt.

Wenn die Weidezeit zu Ende geht, ist spätestens die nächste Wurmkur angesagt. Dabei werden wieder alle Pferde zugleich entwurmt.

Neuzugänge erfahren eine gesonderte Behandlung!

Sie sollten schnellstmöglich nach ihrer Ankunft eine Wurmkur erhalten, wenn sie sie nicht schon drei Tage vor dem Eintreffen im neuen Stall hatten. Nichts desto trotz sollten sie für einige Wochen von Bestand des Stalles fern gehalten werden. Was auch das Einleben und die Eingliederung deutlich erleichtert. Erst nach einem negativen Befund einer Kotprobe beginnt die eigentliche Eingliederung in den Stallbestand.

Tipp:

Isolierte Haltung im angrenzenden Paddock kann gut zum Beschnuppern und als Eingewöhnungsphase genutzt werden: das bedeutet weniger „Sozial“ Stress und Schlagverletzungen.

Entwurmung bei Stallhaltung!

Mit relativ geringem Aufwand ist eine Verseuchung mit Würmern in der Stallhaltung entgegen zu wirken. Das aber auch nur bei absoluter Konsequenz.

Ein durchdachtes Stallmanagement ist schon die halbe Miete!

*      Intervallentwurmung des gesamten Bestandes.

*      Fütterung auf sauberem Boden, oder aus Raufen.

*      Gründliche Endmistung mindestens 1x täglich.

*      Regelmäßige Reinigung des gesamten Stalls.

*      Wände trocken halten, denn Larven können klettern!

*      Sorgfältige Miststapelung. Zur Vernichtung von infektiösen Larvenstadien durch hohe Temperaturen im Inneren der Miste!

*      Fliegenbekämpfung. Das sind Zwischenwirte der Rollschwänze.

*      Tägliches Reinigen der Analgegend mit einem sauberen feuchten Lappen.

*      Keine gemeinsame Haltung mit Eseln.

Heunetzte sind die bessere Lösung                             So nicht!                                    

Die großen und kleinen Palisadenwürmer!

Die großen Strogyliden gelten als die gefährlichsten Parasiten des Pferdes.

Es werden drei Unterarten unterschieden (Strongylus vulgaris / equinus / edentarus), von denen der auch Blutwurm genante Strongylus vulgarisder der gefährlichste ist und auch als Pferdekiller bezeichnet wird. Mit nur 1,7 - 2,5 cm Länge sind diese rotbraunen Rundwürmer recht klein. Dennoch richtet der große Palisadenwurm erheblichen Schaden an.

Die erwachsenen Blutwürmer leben in Blind- und Dickdarm, wo die Geschlechtsreifen Weibschen auch ihre Eier ablegen, die dann mit dem Kot ausgeschieden werden. Innerhalb von 5 - 8 Tagen verlassen die Larven den Kot und werden mit dem Futter (Weidegras / Heu / Stroh / belecken von Wänden) aufgenommen.

Durch die Blind- und Dickdarmschleimhäute gelangen sie in kleine Arterien und bewegen sich entgegen der Fließrichtung in andere Arterien bis in die Aorta. Dabei beschädigen sie Gefäßwände und es kann zu Entzündungen und Blutgerinnseln kommen. Durch verminderte Durchblutung von Darm und Hinterhand zu kann es Lahmheiten bei Belastung und zu Koliken kommen. Erst kurz vor der geschlechtsreife wandern sie zurück in den Blind- und Dickdarm, paaren sich und beginnen selber mit der Eiablage. Zu diesem Zeitpunkt sind etwa 7 Monate vergangen.

Die Würmer der Gattungen equinus und edentarus wandern vom Darm in die Leber und nach einigen Wochen wieder zurück. Erst im Blind- und Dickdarm schließen sie ihre Entwicklung ab. Bis dahin ist die Leber bereits beschädigt und vernarbt.

Die Larven der großen Strogyliden lieben Feuchtigkeit. Sie klettern an allem feuchten hoch, um so über Gräser und Stalleinrichtungen vom Pferd wieder aufgenommen zu werden. Eine Infektion über Grünfutter von kontaminierten Weiden ist so auch möglich, dasselbe gilt für feuchte Stallböden. Die Larven überdauern Trockenzeiten und Winter in der Grasnarbe!

Mundkapsel                                Gefäßschädigung                              Würmer in Kot

Der kleine Palisadenwurm (Strongylinae / Cyathostominae in zusammen ca. 50 verschiedenen Arten) ist 4 - 26 mm klein und weiß. Auch er lebt in  Blind- und Dickdarm, die Larven entwickeln sich für 6 - 12 Wochen in deren Schleimhäuten weiter, bevor das Jungstadium sich im Dickdarms an die Schleimhaut heftet und so Blutverluste verursacht bis zu großflächiger Zerstörung der Darmschleimhaut. Nach der Eiablage und deren Ausscheidung über den Kot schlüpfen die Larven und häuten sich zweimal, bevor sie auf demselben Weg wie ihre größeren Verwandten als infektiöse Larven wieder aufgenommen werden.

Im Winter kann sich die Entwicklung in den Schleimhautknötchen verlangsamen. Dann werden sie im Frühjahr in sehr großer Zahl zugleich ausgeschieden. Das sind nicht selten gleich Hunderttausende! Besonders betroffen sind davon 2 - 5jährige Tiere. Auch im Freien können die Larven monatelang überleben und überwintern.

Eine Verseuchung mit Palisadenwürmer ist auch nach außen hin deutlich sichtbar. Sie zeigt sich durch Koliken, vermindertem Appetit, dicke Bäuche bei gleichsam mageren Figuren, struppigem Fell und Leistungsabfall. In extremen Fällen bis zu eingehen verseuchter Tiere.

Larvenknötchen in der Schleimhaut (Foto und unter dem Mikroskop)

Die Magendasselfliegenlarven (Gasterophilus intestinalis)

Wenn es im Spätherbst wieder in den Stall geht, ist der Zeitpunkt für die Bekämpfung der Magendasselfliege gekommen. Traditionell wurde sie am 6.Dezember jeden Jahres gegeben. Das ist aber eine lange überholte Einstellung. Je nach Witterung und Fleiß der Dasselfliegen sollte die erste Kur schon Ende Oktober Anfang November gegeben werden. Ein nach Kuren zu Nicolaus ist dennoch selten verkehrt. Zwischen Juni und September legen die 8 - 18 mm großen, braunpelzigen Dasselfliegen ihre gelben Eier auf den Haaren der Pferde ab.

Mit der sozialen Fellpflege, oder dem Nagen und ablecken der eigenen Körperteile werden die Larven zum Schlüpfen animiert und das erste Larvenstadium wird aufgenommen. Die Larven verweilen 3 - 4 Wochen in Gaumen und Zunge, bevor sie im zweiten Larvenstadium in den Magen wandern, wo sie erheblichen Schaden (Magenentzündungen und -geschwüre / gelegentlich sogar Magendurchbruch mit nachfolgenden Bauchfellentzündungen) verursachen können. Im Magen entwickeln sie ihr drittes Larvenstadium. Nach 8 - 10 Monaten werden die reifen Larven ausgeschieden und verpuppen sich, bevor sie nach weiteren 3 - 4 Wochen als Dasselfliegen schlüpfen. Direkt nach der Paarung beginnen sie mit der Eiablage und sterben nach höchsten weiteren 3 Wochen.

Ein sicherer Nachweis von Magendassellarven ist nur über eine Magenspiegelung möglich. Im Kot finden sie sich nur sehr selten, aber die Eiablage an den Beinen stellt einen Befall zuverlässig in Aussicht.

Dasselfliege bei der Eiablage                         Dasseleier am Pferdebein         Dassellarve im Ei

Dassellarven auf der Magenschleimhaut

Tipp:

Kau- und Schluckbeschwerden können beim Jährling durch Laven in der Maulschleimhaut, Zunge und dem Gaumen verursacht werden.

Bandwürmer (Anoplocephals perfoliata)

Bis vor wenigen Jahren wurden die 3 - 8 cm langen, weißlichen Plattwürmer bei Pferden für nicht möglich oder zumindest unbedeutend eingestuft. Das war ein großer Irrtum, wie man heute weiß. Moosmilben nehmen aus dem Kot Eier des Bandwurms auf. In ihnen entwickeln sich in 2 - 4 Monaten infektiöse Stadien, die beim Grasen auf feuchteren Weiden von Pferde während der gesamten Weideperiode aufgenommen werden. Im Dünndarm werden die Larven innerhalb von 6 - 8 Wochen freigesetzt. Sie heften sich an die Schleimhaut des Dünn- und Blinddarms.

Das bietet die Gefahr von Entzündungen, Geschwüren und sogar Darmburchbrüchen, bei heftigem Befall auch zu Darmverengung. Bei Mageren Weidepferden sollte man immer auch auf Bandwurmbefall behandeln. Dabei bitte bedenken, dass Moosmilben im Winter nicht eingehen und so den Bandwurmlarven ein warmes Quartier bieten.

Die eiertragenden Segmente, die sich am Ende des Bandwurms befinden, werden in unregelmäßigen Abständen mit dem Kot ausgeschieden und erneut von Moosmilben aufgenommen.

Bandwürmer im Darm                          Ausgeschiedene Bandwurmglieder

Der Magenfadenwurm (Habronema spp. / Trichostrongylus axei)

Eier und Larven werden mit dem Kot ausgeschieden. Im Kot werden sie von Fliegenmaden aufgenommen, in denen reift sie innerhalb von 15 Tagen, während aus der Made eine Fliege wird, zum ansteckungsfähigen Stadium heran. Wenn die Fliegen feuchte Körperstellen (Lippen, Nüster, u.s.w.) aufsuchen, verlassen die Wurmlarven aufgrund der Feuchtigkeit ihren Zwischenwirt. Durch abschlucken gelangen die Larven in den Magen des Pferdes und entwickeln sich in etwa 2 Monaten zum  geschlechtsreifen, 8 - 25 mm lange, gelbliche Wurm, der sich in die Magenwand bohrt und so zu Entzündungen, Blutungen und Magengeschwüren führen kann.

Die nicht geschluckten Larven, die in Wunden gerieten entwickeln sich nicht weiter, schädigen aber die Haut und lösen heftigen Juckreiz aus. So kann er dasselbe Erscheinungsbild wie Sommerekzem produzieren. Auch hier schließen sich die Wunden mit Beginn der kälteren Jahreszeit, wenn die Larve stirbt.

Sommerwunde                Magenlieason           

Leberegel

Dieser Parasit ist eigentlich bei Rindern zu finden, kann aber auch Pferde befallen.

Pferde mit Leberegelbefall werden sehr krank, haben deutlich erhöhte Leberwerte und meist Fieber.

Mit Wurmkuren ist ihm nur selten beizukommen. Da muss der Tierarzt oft andere Geschütze auffahren.

Nicht selten gehen Pferde noch während der Diagnose und Behandlungszeit ein. Selbst erfolgreich behandelte Pferde sind danach nicht immer noch voll belastbar und bleiben anfällig für Verdauungsstörungen und Infektionen auf Grund einer irreparablen Leber- und Nierenschädigung.

Lungenwürmer (Dictyocaulus arnfieldi)

Ein Befall mit Lungenwürmern geht eigentlich immer auf eine gemeinsame Haltung mit Eseln zurück. Ein einmal infizierter Esel scheidet jahrelang Würmer aus, die eine Ansteckungsquelle für Pferde sind. Im Pferd hält er sich ohne Reinfektion nur ein Jahr. Dem Esel macht der Lungenwurm erstaunlich wenig aus, aber ein Pferd erkrankt in der Regel mit allen Anzeichen einer Lungenentzündung. Trockener Husten, Atemnot bei Belastung und auch Nasenausfluss. Eine derart angegriffene Lunge ist natürlich besonders anfällig für Viren und Bakterien.

Die geschlechtsreifen weiblichen Würmer legen ihre Eier in den Atemwegen ab. Sie werden vom infizierten Tier hochgehustet und abgeschluckt. Sie durchwandern den gesamten Verdauungsweg. Einige Larven schlüpfen bereits im Darm, bevor sie über den Kot ausgeschieden werden. Innerhalb von 3 - 4 Tagen entwickeln sie sich nun zu ansteckungsfähigen Larven und werden beim Fressen  wieder aufgenommen. Über den Blut-Lymphweg gelangen sie durch das Gewebe in die kleinen Bronchien. In 32 - 42 Tagen nach der Infektion sind sind aus den Larven geschlechtsreife, 2,5 - 7 cm lange, schlanke Lungenwürmer geworden, die direkt nach der Paarung mit der Eiablage beginnen.

Das positivste, was über den Lungenwurm gesagt werden kann, ist das er kalte Winter auf der Weide nicht überlebt. Allerdings ist ein nachweiß im Pferdekot nicht möglich, sehr wohl aber im Eselkot der älter als 12 Stunden ist.

   

Gemeinsame Beweidung mit Eseln                              Lungenwurm unterm Mikroskop und im Lungengewebe

Pfriemenschwanz (Oxyuris equi)

Diese Würmer legen ihre weißlich bis gelbgrauen Eischnüre in der Afterregion ab, leben aber in Blind- und Dickdarm. Nach der Eiablage sterben die Weibchen im Enddarm. Die Eischnüre lösen starken Juckreiz aus, was ständig zu kleineren Hautverletzungen durch Scheuern an Schweifrübe und zu Haarlosenstellen am *Po* führt. Innerhalb einer Woche fällt sie infektionsfähige Larve mit samt der Eichhülle in die Einstreu. Werden die Larven vom Pferd wieder aufgenommen, dringen sie in die Schleimhäute von Blind- und Dickdarm ein und entwickeln sich innerhalb von 4 - 5  Monaten zu 0,9 - 18 cm langen, geschlechtsreifen Würmern mit pfriemartigen Hinterende. Die Männchen sterben direkt nach der Paarung. Ein Pfriemenschwanz befall tritt in erster Linie bei älteren, aufgestallten Pferden auf. Stuten mit vermehrtem Ausfluss sind häufiger belastet als andere. Ein Nachweiß über den Kot ist nicht möglich.

Ausgeschiedene Pfriemenschwänze      Eischnüre am After    

Die Rollschwänze

Die Rollschwänze werden von Stechfliegen übertragen und die Larven gelangen über die Nüstern in den Magen. Äußerlich können sie in der warmen Jahreszeit zeitweise zu ekzemähnlichen Wunden führen. Auch Augenentzündungen sind möglich.

Der Spulwurm (Parascaris equorum)

Dieser Parasit ist 15 bis 50 cm lang und etwa Bleistift dick. Sie siedeln sich hauptsächlich im Dünndarm an und vermehren sich dort. Die Eier gehen mit dem Kot ab. Innerhalb von 8 - 15 Tagen entwickeln sich infektiöse Larven die noch im Ei vom Pferd wieder aufgenommen werden. Die geschlüpften Larven durchbohren die Darmwand und gehen im Körper auf Reisen, was zu Schädigung von Leber und Lunge führt. Über Luftröhre, Rachen und Magen gelangen sie wieder in den Dünndarm, wo sie nach 6 - 12 Wochen als erwachsene Würmer mit der Eiablage beginnen.

Befallene Tiere sind meist sehr mager. Bei sehr starker Verseuchung kann es zu Gallengang- und Darmverschlüssen bis zu Darmrissen durch Wurmknäule kommen. Das ist unweigerlich tödlich. Die Wurmausscheidung findet nach 3 Monaten statt und dauert bis zu 2

Jahre. Der Spulwurm befällt meist Fohlen und Pferde unter 4 Jahren, kann aber auch ältere Tiere infizieren. Die erkranken im Allgemeinen aber nicht so heftig wie Fohlen.

Spulwurmei                              erwachsener Spulwurm

Darmriss nach Darmverschluss durch Spulwürmer

Zwergfadenwurm (Strongyloides westeri)

Zwergfadenwürmer nehmen in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung unter den Würmern ein. Anders als alle anderen Pferdewürmer kann diese Wurmart entweder als Parasit im Pferdedarm schmarotzen oder sich nichtparasitisch in Erde oder Einstreu vermehren. Aus den mit dem Kot ausgeschiedenen Eiern entwickeln sich in der Außenwelt die ansteckungsfähigen Drittlarven entweder direkt oder nach Vermehrung über sexuell differenzierte frei lebende Generationen. Die Ansteckungslarven dringen aktiv an dünnhäutigen Körperstellen in das Pferd ein oder werden passiv mit dem Futter aufgenommen.

Die weitere Entwicklung der eingedrungenen Larven im Körper des Pferdes ist kompliziert. Einige Larven gelangen auf dem Lymph- Blutweg über das Herz in die Lunge, verlassen hier die Blutgefäße und wandern in die luftführenden Wege (Alveolen, Bronchien) aus.

 Von dort werden sie hochgehustet, abgeschluckt und erreichen schließlich den Dünndarm, wo sie sich festsetzen und zu geschlechtsreifen Würmern heranwachsen. Ein anderer Teil der Larven verlässt die Blutbahn nicht, sondern wird mit dem Blutstrom im Tierkörper verteilt. So gelangen die Larven auch ins Eutergewebe. Bei Mutterstuten werden Zwergfadenwurmlarven dann mit der Milch ausgeschieden. Diese Ansteckung mit larvenhaltiger Milch ist die wichtigste Infektionsquelle für das Saugfohlen. In der 2. Lebenswoche beginnen infizierte Saugfohlen, Zwergfadenwurm-Eier auszuscheiden. Fohlen erwerben rasch eine Immunität, in deren Folge die Ei-Ausscheidung abnimmt. Nur erkrankte Fohlen sind mit einem geeigneten Wurmmittel zu behandeln. Es hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen, die Stuten im geburtsnahen Zeitraum vorbeugend mit einem wirksamen Präparat zu behandeln, um eine Ansteckung der Neugeborenen über die Milch zu verhindern. Maßnahmen der allgemeinen Stallhygiene dezimieren die Population der frei lebenden Generation und damit die Ansteckungsgefahr.

Verseuchtes Fohlen auf Mistmatratze                           Zwergfadenwurm                                     

Wirkstoffgruppen und Entwurmung!

In Deutschland sind derzeit etwa 35 Präparaten mit 7 Wirkstoffgruppen zugelassen. Wogegen die jeweilige Kur wirkt ist auf jedem Beipackzettel zu lesen. Eben so die getestete Überdosierungsmenge, die meist bei der 9fachen Dosis liegt.

Beim Entwurmen bitte lieber etwas überdosieren, als zu sparsam sein. Auch Fachleute und Tierärzte verschätzen sich regelmäßig bei der Angabe von Gewichten. Das Beste ist 2mal Jährlich eine Waage zu rate zu ziehen. Die angenehmste und sicherste Methode ist eine der mobilen Pferdewaagen auf den Hof zu bestellen.

Die kurzfristige Medikamentengabe an ein gesundes Pferd ist immer eine erheblich geringere Belastung als eine Parasitenverseuchung.

Den Entwurmungspass sollte es eigentlich bei jedem Tierarzt geben!

Genau genommen gehören Wurmkuren, ebenso wie alle anderen Medikamente im Equiden – Pass eingetragen.

Zumindest sollte jeder Pferdehalter für sein Pferd ein Entwurmungsprotokoll führen, in dem festgehalten wird Wann, Welche und Wie viel Wurmkur an welches Pferd gegeben wurde. Besser ist es auch nach das Datum der Kotprobe und dessen Befund zu notieren. Ist man nun schon dabei, sollte auch Platz für Kommentare gelassen werden.

Norweger-Araber-Mix Jährling Svejk (von hinten) bei der Enteignung und 2 Jahre später

Datum

Präparat

Dosierung

Kotprobe vom

Befund

Kommentar

14.01.1999

Ivermectin

Für 400 kg

KEINE

 

Neuzugang

04.02.1999

Ivermectin

Für 600 kg

31.01.2002

> 1260

Mager, struppiges Fell, Trommelbauch

17.03.1999

Ivermectin

und

Parziquantel

Für 600 kg

09.03.2005

> 840

und deutlicher Verdacht auf Bandwurm

Unerklärlicher Durchfall, Abmagerung

05.05.1999

Benzimidazol

Für 600 kg

28.04.2005

> 450

Deutlich verbesserter Zustand

Die Mittel der Wahl

Wenn man einen stark belasteten Bestand zu versorgen hat, sollten die ersten Intervalle eng gefasst sein. Etwa alle 4 bis 6 Wochen. Erst bei verbesserten Befunden kann man auf 6 bis 8 Wochen und in einem stabilen und *sauberen* Bestand auf 12 Wochen erweitern.

Die leider oft übliche Entwurmung einmal bei Weideauftrieb und einmal bei Aufstallung ist völlig sinnlos und produziert bei obendrein zu sparsamer Dosierung nur Resistenzen der Parasiten. Werden die Pferde dazu noch täglich wieder in die Box geholt verstärkt sich in so einem Fall der Infektionsdruck erheblich.

April und Mai ist die optimale Zeit zur Bekämpfung von Rund- und Bandwürmern. Juli bis August sind weiterhin die Rundwürmer dran. September bis Anfang Dezember werden den Rund- und Bandwürmern, so wie den Magendassellarven der Gar ausgemacht.

War das letzte Jahr warm und feucht sollte auch Februar / März noch einmal die Ivermectin – Gruppe eingesetzt werden.